Anatoli Odinzow kurz nach seiner Freilassung aus dem Untersuchungsgefängnis. August 2026.
Anatoli Odinzow kurz nach seiner Freilassung aus dem Untersuchungsgefängnis. August 2026.
Gericht in Murmansk mildert Urteil gegen Anatoli Odinzow (68) – Gläubiger auf freiem Fuß
Gebiet MurmanskAm 5. August 2026 hob das Gebietsggericht Murmansk das Urteil gegen den Zeugen Jehovas Anatoli Odinzow auf: Die Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 3 Monaten wurde in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. Noch am selben Tag wurde er aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen, in dem er bis zum Inkrafttreten des erstinstanzlichen Urteils hätte bleiben müssen.
„Verfolgung ist eine Art Prüfung, ein Test des Glaubens“, sagte Anatoli.
Anatoli Odinzow ist Ingenieur für medizinische Geräte mit langjähriger Berufserfahrung. Er wurde bereits 1994 Zeuge Jehovas und hatte bis dahin nie Probleme mit dem Gesetz. Doch 2023 leitete die Ermittlungsbehörde ein Strafverfahren gegen ihn ein: Das gemeinsame Bibelstudium mit Mitgläubigen wurde als Organisation einer extremistischen Vereinigung eingestuft. Rund drei Jahre später verurteilte das Rayongericht Poljarny in Murmansk ihn zu einer langen Haftstrafe im Straflager – Odinzow wurde sofort in Gewahrsam genommen. Das kam selbst für die Staatsanwaltschaft überraschend, da sie lediglich eine Geldstrafe gefordert hatte. Der Staatsanwalt hielt das Urteil für übermäßig hart und legte Berufung ein.
Anatoli verbrachte über sieben Monate in Haft und weitere etwa neun Monate unter Hausarrest.
Die erste Woche der Inhaftierung war am schwierigsten: „Das Schwerste ist wohl die erste Zeit, wenn sich so eine Art Vakuum bildet, weil man keine Informationen bekommt und gar nicht weiß, was draußen passiert.“
Der Kontakt zu seinen Angehörigen war in dieser Zeit erschwert. „Ich konnte nur über Briefe Kontakt halten. Besuch sowie Telefonate waren für mich eingeschränkt“, erzählte Anatoli und ergänzte: „Freunde schrieben Briefe – sie kamen aus verschiedenen Ländern, von unterschiedlichen Kontinenten. All das hat Freude bereitet. Für Niedergeschlagenheit war kein Platz.“

