Andrei Lukin (ganz links) wird nach einer der Gerichtsverhandlungen ins Untersuchungsgefängnis gebracht. Juni 2025
Andrei Lukin (ganz links) wird nach einer der Gerichtsverhandlungen ins Untersuchungsgefängnis gebracht. Juni 2025
Zeuge Jehovas in der Region Moskau zu 4 Jahren Straflager verurteilt. Das Gericht spricht den Gläubigen des "Extremismus" schuldig
MoskauAm 12. Februar 2026 wurde Andrei Lukin (42) in Dmitrow zu einer Haftstrafe wegen seines Glaubens verurteilt, obwohl im Verfahren Geschädigte, Zeugen sowie Angaben zu Zeit und Ort des "Verbrechens" fehlen – etwas, worauf die Verteidigung wiederholt hinwies.
Lukin wurde im April 2025 in Gewahrsam genommen. Zum ersten Mal in ihrer 15-jährigen Ehe war er für längere Zeit von seiner Frau Jelena getrennt. Das Paar blieb hauptsächlich durch Briefe in Kontakt und konnte gelegentlich während der Gerichtsverhandlungen miteinander sprechen. Im Laufe der Zeit wurden ihnen Telefonate und kurze Besuche genehmigt. Andrei unterstützte seine Frau emotional auf jede erdenkliche Weise – mit Hilfe von Freunden organisierte er sogar eine kleine Feier zum Hochzeitstag direkt im Gerichtssaal.
Aus der U-Haft schrieb Andrei an seine Frau: "Ein Baum der sich biegt, kann vom Wind nicht gebrochen werden. Also muss man sich an veränderte Lebensumstände anpassen können." Und genau das tat Jelena. Um näher bei ihrem Mann zu sein, beschloss sie, umzuziehen. Die alltäglichen Aufgaben, die Andrei früher übernommen hatte, lasteten nun ganz auf ihren Schultern. Sie ist Freunden dankbar für ihre Hilfe in dieser Zeit: sie kamen zu Anhörungen, schrieben Briefe, luden sie ein, unterstützten sie finanziell, halfen beim Umzug und bei der Autowartung.
Während seiner Haft verschlechterten sich Andreis chronische Krankheiten und er konnte sich den notwendigen medizinischen Untersuchungen nicht unterziehen. Ihn beunruhigte, dass die gesamte Fürsorge für seine betagte Mutter und Schwiegermutter nun allein auf seiner Frau lastete. Er beantragte beim Gericht, seine Untersuchungshaft durch Haftverschonung auszusetzen, damit er sich um seine Familie kümmern und medizinische Behandlung erhalten könne, doch sein Antrag wurde abgelehnt.
Die erste Hausdurchsuchung bei den Lukins fand 2023 statt – sie markierte den Begin von Andreis strafrechtlicher Verfolgung. Eineinhalb Jahre später kamen die Ermittlungsbeamten erneut: er wurde verhaftet und in U-Haft genommen. Andrei betonte, dass er niemals jemanden zu rechtswidrigen Handlungen aufgefordert habe. Während der Anhörungen beschrieben Zeugen Andrei als freundlich, mitfühlend, immer hilfsbereit und als hingebungsvollen Familienvater.
Richterin Olga Perschina vom Stadtgericht Dmitrow der Region Moskau befand den Gläubigen der Finanzierung und Teilnahme an extremistischen Aktivitäten schuldig.
Das Verfahren gegen Andrei Lukin ist die Fortsetzung der Strafverfolgung gegen Alexandr Serebrjakow, basierend auf dessen Fallakten. Im August 2024 wurde ein separater Fall gegen Wiktor Welikow eröffnet, und im Juni 2025 auch gegen Lukin. Wegen ähnlicher Anklagen erhielt Serebrjakow eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren und Welikow von 5,5 Jahren.

